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 Hinas Leseecke

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BeitragThema: Hinas Leseecke    Mi Jun 27, 2012 7:14 pm

Hier die Nebengeschichte zu "Zweiklassen Trennung" bzw. der erste Part davon:

„Ich… ich…“, angsterfüllt wich ich immer weiter zurück, den einen Unterarm bereits halb schützend vor mein Gesicht gezogen, „ich… bitte nicht… bitte… ich...“
Meine Augen weiteten sich nur noch mehr in viel verstärkter Angst, als die Faust auf mich hinab sauste.
Ich schreckte hoch, atmete schwer, bemerkte dann, dass ich Schweiß gebadet war, rieb mir mit den Händen übers Gesicht. Gott, was für ein Albtraum. Als sich mein Atem beruhigte und auch das Zittern am ganzen Körper nachließ, beschloss ich aufzustehen und zu duschen. Kurz schielte ich zu Aiko hin, die neben mir schlief. Hm... duschen wäre vielleicht keine so gute Idee, ich wollte sie nicht wecken, schlimm genug, dass einer von uns wach war, da musste sie nicht auch noch wach werden.
Ich stand also vom Bett auf, ging leise in T-Shirt und Boxershorts – mein üblicher „Schlafanzug“ – ums Bett herum zur Tür, verließ das Schlafzimmer und steuerte auf die Küche zu.
Als ich am Wohnzimmer vorbei kam schaute ich kurz ob Staubi noch schlief. Huh… sie war nicht auf der Couch. Sollte das etwa heißen, dass dieser… wie hieß er noch? Keine Ahnung… jedenfalls, dass dieser Typ von gestern sie tatsächlich abgeschleppt hatte und sie die Nacht bei ihm verbrachte?
In der Küche schaute ich kurz auf die Uhr am Herd, 04.30 Uhr. Huh… um die Uhrzeit war es eher unwahrscheinlich, dass Staubi noch nach Hause käme. Also war es wohl wie ich vermutete und sie verbrächte die Nacht wo anders. Na, das sollte mir recht sein, vor allem gerade jetzt. Ich hatte wirklich keine Lust auf mehr Gesellschaft als unbedingt nötig. Der Alptraum hatte mich tiefer erschüttert, als ich zuerst angenommen hatte. Ich griff die Schranktür, öffnete sie, nahm eine Kaffeetasse raus, ging dann zu einem anderen Schrank, um das Kakaopulver rauszunehmen. Als ich vor dem Schrank stand, die Hand halb erhoben, um die Dose mit dem Pulver zu greifen, schossen mir alte Erinnnerungsfetzen durch den Kopf. „Du bist echt ein Kakaosuchti.“, „Vermutlich hast du statt Blut Kakao in deinen Adern fließen.“. Ein Kloß bildete sich in meinem Hals, alte Emotionen begannen wie eine Flut aus meinem tiefsten inneren hochzuschießen, ich hielt sie zurück, dass ich nur die oberste Schicht wahrnahm. Ich wusste, wie es sich anfühlte, wenn ich alle Emotionen zu ließ. Ich mochte dieses Gefühl nicht. Noch immer starrte ich auf das Kakaopulver im Schrank, ich ließ die Hand wieder sinken. Ich… ich konnte einfach keinen Kakao trinken.
Ich nahm die Wasserflasche und trank direkt einige Schlucke aus der Flasche. Aiko würde sich zwar aufregen, wenn sie dies sähe, dass ich ein Glas nehmen solle, doch schlief sie gerade und zweitens… ehrlich gesagt, waren mir ihre Regeln gerade auch ziemlich egal.
Ich ging zum Wohnzimmer, nahm dort aus dem Schrank ein Cognacglas, ging zurück zur Küche, nahm aus dem Kühlschrank den Bailey’s Coffee und goss mir ein, kippte das Zeug weg, als wäre es Wasser, goss mir nach, sah auf die Flasche in meiner Hand, dann auf das fast zur Hälfte gefüllte Glas. Ich entschloss mich die Flasche gleich mit ins Wohnzimmer zu nehmen.
Im Wohnzimmer machte ich eine, in der Ecke stehende, Stehlampe an. Ich mochte das gedämpfte Licht, welches die kleine Lichtquelle bot. Es war mir lieber, als wenn ich die Deckenleuchte angemacht hätte und der Raum hell erleuchtet gewesen wäre. Einmal weckte dies Aiko – hoffentlich – nicht, zweitens fühlte ich mich in dem gedämpften Licht geborgener, als mit Deckenleuchte. Und das Gefühl von Geborgenheit brauchte ich gerade, nach dem Alptraum.
Ja, ich hätte Aiko wecken können und mich von ihr in den Arm nehmen lassen, doch wollte ich dies nicht. Sie hätte Fragen gestellt, auch war es eine andere Art von Geborgenheit wenn jemand da war, als wenn ich in Ruhe mit meinen Gedanken allein war. Hier hatte ich nun Zeit, alles für mich zu reflektieren und runter zu kommen.
Ich setzte mich in einen der Sessel, nippte an meinem Glas, stellte die Flasche auf den Couchtisch ab.
Meine Gedanken wanderten zurück zu dem Traum, den ich hatte. Er war vor mir gestanden, wir hatten uns zuvor wohl gestritten, zumindest hatte ich in dem Traum diesen Eindruck. Er war wütendes Schrittes auf mich zu gegangen, hatte mich zurück gedrängt, dass ich mit dem Rücken gegen die Wand prallte. Und schließlich… schließlich war seine Faust niedergesaust und ich war wach geworden.
Das kuriose an dem Traum war… „er“ war eigentlich eine Frau gewesen – zumindest innerlich. Sie, er… wie man auch immer die Person bezeichnen wollte, hatte damals die Lampe benutzt, wie ich auch. Es war nicht freiwillig gewesen und keiner von uns wusste von dem jeweils anderen, dessen Geheimnis. Damals jedoch… damals musste ich bitterlich und schmerzlich erfahren, wie eingeschränkt und hilflos Frauen wirklich gegenüber Männer sind. Dieses Wissen schmerzt noch heute, umso mehr bin ich darum bemüht Aiko immer die Rechte einzuräumen, die ihr als Mensch, als ebenbürtiger Partner, zustehen. Ich bin bemüht Aiko nicht wie… wie eine Puppe zu behandeln, egal ob bei alltäglichen Dingen, bei Diskussionen oder beim Liebesspiel.
Ich habe bisher allen Leuten, die mich gefragt haben, immer gesagt, dass ich nie die Lampe benutzt habe und schon immer ein Mann gewesen sei. Dies stimmt nicht ganz, doch ist es einfacher, als alles zu erklären, zumal diese Episode meines Lebens die Leute auch nichts angeht – selbst Aiko weiß davon nichts. Die einzige, die ein kleines bisschen davon weiß, ist Aikos Vorgängerin. Vor Aiko hatte ich noch jemanden, mit dem ich zusammen war - aus Liebe. Ich liebte sie und ich konnte mit ihr zusammen sein, anders als mit… Nun ja, das ist jetzt nicht weiter wichtig.
Ich starrte auf mein Glas, nahm erneut einen kleinen Schluck.
Das zweite kuriose an dem Traum war gewesen, dass er mich zwar geschlagen hatte, doch war dies ganz anderes abgelaufen, als in meinem Traum. Auch war der Schlag an sich nicht das Problem gewesen – wobei es in der Tat weh tat – sondern vielmehr der Fakt, dass er mich überhaupt geschlagen HATTE. Er, der immer beteuerte, wie sehr er mich doch liebe… er hatte mich, seine „Liebe“ geschlagen, nur weil er in unserer Diskussion nicht mehr weiter kam und sich nicht zu helfen wusste.
Ich seufzte, sah mit halbgeöffneten Augen auf das Glas, schenkte mir dann Baileys nach, auch wenn noch immer ein letzter Rest im Glas gewesen war. Stand dann auf und trat ans Fenster, sah hinaus auf die Nacht, auf die Straßenlaternen, hier und da waren vereinzelte Lichter in Fenstern an. Huh… scheinbar war ich nicht der einzige Frühaufsteher diesen Morgen.
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Staubkind
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BeitragThema: Re: Hinas Leseecke    Mi Jun 27, 2012 7:23 pm

Woooo soll ich sein????? Shocked Shocked Shocked

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